Vollgas statt Sommerpause: Die Serie der Dachauer Nachrichten VOM CHRISTBAUM ZUM SETZLING in der Pole Position

„Es geht um die Pole-Position in einer Christbaumkultur“, Stefan Spennesberger verrät im sechsten Teil der Serie VOM SETZLING ZUM CHRISTBAUM, in der die Dachauer Nachrichten über den Tannenhof Oberweilbach und den Alltag als Christbaumproduzent berichten, kleine Tricks zum optimalen Start ins Christbaumleben. Er nennt das gerne ein „Unter-die-Arme-greifen“, tatsächlich ist es ein „Unter-die-Zweige-greifen“.

„Tannen wurzeln tief, so machen Hitze und Trockenheit Bäumen, die bereits seit einigen Jahren in der Kultur stehen, wenig aus“, erklärt der Christbaumexperte die so wichtige richtige Standortwahl: „Wenn auch leicht beschattete und frostsichere Standorte zu bevorzugen sind, eine Tanne wird auch an einem sonnigen Standort zu einem schönen Christbaum.“ Kennt man sich dann wie der Christbaumexperte noch in der Wahl der richtigen Bepflanzungsdichte aus, vermeidet man Lichtmangel, der zu optischen, nicht zu korrigierenden Fehlern in Form, Dichte und Symmetrie der Nordmanntannen führen kann, und man berücksichtigt soweit möglich die vorherrschende Windrichtung. Und tatsächlich, in Oberweilbach liegen die Reihenabstände bei 1,25 m, die Pflanzabstände bei 1,10 m und die Reihenausrichtung erfolgte von Norden nach Süden, um eine optimale Belichtung zu garantieren und zum gesunden Wachstum der Tannen beizutragen.

Starthilfe für junge Christbäume.

Alle Kulturpflegemaßnahmen wurden also spezifisch der ökologischen Charakteristik der Nordmanntanne getroffen. So weit, so gut. Aber zurück zu den jungen Bäumen. Warum brauchen junge Tannen Starthilfe? „Die Anwuchsrate wird wesentlich bestimmt von der Artzusammensetzung der Begleitvegetation und dem damit verbundenen Konkurrenzdruck.“ Spennesberger geht ins Detail: „Unter Begleitvegetation versteht man Pflanzen, die nicht dem eigentlichen Produktionsziel der Christbaumzucht dienen, sondern die insbesondere junge Bäume im Wachstum hindern oder diesen erschweren können. Und das passiert unabhängig von der Standortwahl.“

Pole Position im Kampf um Licht, Nährstoffe und Wasser.

Der Christbaumexperte erzählt von einer biologischen Variante der Begleitwuchsregulierung und meint damit die Einsaat einer bodenverbessernden landwirtschaftlichen Nutzpflanzendecke. Diese Nutzpflanzen können gezielt das Aufkommen natürlicher Konkurrenzvegetation verringern ohne die jungen Bäume in ihrer Entwicklung zu unterdrücken. Ziel ist, unerwünschte Pflanzen am Keimen und Aufwachsen zu hindern und so maximalen Anwuchserfolg zu ermöglichen. Wird die konkurrierende Vegetation von Gräsern dominiert, könnte dies aufgrund der Konkurrenzkraft um Nährstoffe und Wasser größere Schäden im Wurzel- und langfristig im Höhenwachstum der jungen Bäume nach sich ziehen. Insbesondere Gräser extrahieren massiv Wasser aus dem Boden, eine Erhöhung der Bodenwasserspannung ist die Folge. Diese hohe Nährstoff- und Wasserkonkurrenz führt zu einer limitierten Photosyntheserate und Absorptionsfähigkeit der Pflanzenwurzeln für Nährstoffe und Wasser und das beeinträchtigt die Vitalität und das Wachstum der jungen Bäume signifikant.

Vollgas in der ersten Wachstumsperiode.

Nun ist die Intensität des Aufkommens der Einsaat in einer Christbaumkultur nicht zu kontrollieren bzw. zu forcieren, zudem kann eine Nutzpflanzendecke keine schon vorhandene vitale Vegetation zurückzudrängen. Eine wirksame Alternative zu der biologischen Maßnahme der ausgesäten Nutzpflanzen ist die mechanische Entfernung der Begleitvegetation. Das Mähen der Fläche zwischen und direkt um die jungen Christbäume herum hält die Konkurrenzvegetation konsequent klein, so dass die Bäume in der ersten Vegetationsperiode nicht um Wasser, Nährstoffe und Licht kämpfen müssen. Vor allem in den ersten Jahren nach der Pflanzung ist es daher sinnvoll, die jungen Setzlinge von der Begleit- und Konkurrenzvegetation zu befreien.

Die Kulturen können unterschiedlich intensiv freigeschnitten werden, werden sie teilflächig freigeschnitten, spricht man von Auskesseln. Stefan Spennesberger nimmt dazu einen Freischneider in die Hand und demonstriert die Bewegung um den Baum. Mit dem motorbetriebenen Werkzeug wird nur der unmittelbare Bereich um den Baum ausgemäht, sicher führt er das Schneidewerkzeug in vorsichtigen Kreisbewegungen um die kleinen Tannen. Eine Schutzvorrichtung verhindert einen Schnitt an den Christbäumen selbst, größere Pflanzen hebt Spennesberger behutsam an und da können wir es live sehen: das „Unter-die-Zweige-greifen“.

Das große Rennen um den schönsten Christbaum.

Der abschließende Schritt ist das Bodenabdecken mit Stroh und das sieht dann jeder, der den Tannenhof Oberweilbach in der Adventszeit besucht. Schützt das Stroh in den Sommermonaten vor Bodenaustrocknung, Erosion und der unerwünschten Begleitvegetation, bietet es in den Wintermonaten eine boden- und pflanzenschonende Unterlage, wenn die Suche nach dem einen Christbaum losgeht. Im Dezember dürfen die Kunden am Tannenhof Oberweilbach selbst zur Säge greifen und unter die Zweige. „Dann startet das Rennen um den schönsten Christbaum. Aber dafür braucht man bei uns keine Pole-Position“, verspricht Stefan Spennesberger, „es sind genügend Bäume für alle da.“ Und dann stehen die Christbäume auf dem Treppchen bzw. im Christbaumständer. Im Mittelpunkt stehen sie am 24. Dezember auf jeden Fall.

Der die bisherigen Zeitungsartikel der Serie verpasst hat, der findet hier die bisher erschienen Teile: erster Teil, zweiter Teil, dritter Teil, vierter Teil und hier der fünfte Teil.