Christbaum vs. Weihnachtsbaum. Die Dachauer Nachrichten berichten VOM SETZLING ZUM CHRISTBAUM aus dem hohen Norden.

Nach Webling, dann scharf Richtung Pellheim abbiegen, am Ziegelwerk vorbei, immer der Hauptstraße folgen, in Pellheim rechts abbiegen und gleich wieder links und nach einer Kuppe kommt er dann – der siebte Teil der Serie VOM SETZLING ZUM CHRISTBAUM in den Dachauer Nachrichten.

Im vergangenen Halbjahr haben die Dachauer Nachrichten bereits sechs Teile dieser Serie veröffentlicht, für die Ausgabe vom 14./15. September 2019 allerdings wird der Fahrplan etwas geändert: Die Redaktion erzählt von Michael Spennesberger, dem ältesten Sohn der Familie Spennesberger, und das nicht aus Oberweilbach, sondern aus Hamburg.

Niedersächsische Christbäume.

Es ist nicht direkt in Hamburg, Klauenburg ist etwa 30 Minuten entfernt von Hamburg und zur Nordsee fährt man auch nur eine gute Stunde. „Nein, das ist alles andere als Urlaub hier“, der 22-Jährige hatte noch keine Zeit für Sightseeing und schiebt, um das zu betonen, noch schnell ein „Wirklich!“ hinterher. 758 Kilometer von zu Hause entfernt absolviert Spennesberger Jr. seit dem 15. April vier Monate seines Praxisjahrs auf dem Hof Oelkers in Klauenburg bei Wenzendorf. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Lehre zum Metallbauer / Fachrichtung Nutzfahrzeugtechnik begann er eine zweite Ausbildung zum Landwirt, ein wichtiger Teil davon ist das Praxisjahr. Der Einsatz im hohen Norden dient nicht nur der Weiterbildung und der Festigung des in seiner Ausbildung in der Theorie und auf dem Hof seines Vaters in der Praxis erlernten Wissens im Christbaumanbau. Ziel ist, alle Bereiche eines Christbaumproduzenten in einer anderen größeren Dimension zu erleben. Während sich Stefan Spennesberger ausschließlich auf die Produktion und den Vertrieb seiner Nordmanntannen konzentriert, bietet Bernd Oelkers mit vielseitigen eigenen Produkten im Hofladen, Hofcafe und Restaurant ein ganzjähriges Einkaufs- und Ausflugsziel. Dass beide Betriebe moderne Familienunternehmen sind, bei denen alle mitanpacken, verbindet und somit gehört zur Oelkers-Familie derzeit eben auch ein Spennesberger, wenn auch mit ausgeprägtem bayerischem Einschlag.

Christbaum vs. Weihnachtsbaum.

„Dass man im Norden Deutschlands einen Weihnachtsbaum kauft und bei uns aber am besten nach einem Christbaum fragt, um an einen Tannenbaum zu kommen, ist nicht der einzige Unterschied“, Michael Spennesberger erzählt das in seinem charmanten bayerischen Dialekt. Der wesentliche Unterschied sei der Boden, der wichtigste Produktionsfaktor in der Landwirtschaft. Nur ein gesunder Boden ermöglicht gesundes Wachstum, die Bodenbeschaffenheit ist gleich­bedeutend mit dem Fruchtbarkeitspotential und der Ertragsfähigkeit. Potentiellen Fruchtbarkeit­beeinträchtigungen gilt es entgegenzuwirken und da kommen das Klima mit ins Spiel und die Topographie. Trockenheits­gefährdung, Versauerungsgrad und eine Gründigkeit der Böden sind die größten Risiken. Da freut man sich im niedersächsischen Klauenburg über eine Landschaftseinheit mit eher sandigen Ackerböden und kämpft mit den Klimaeinflüssen der Nordsee-Wetterlage von Westen her, während man im bayerischen Oberweilbach mit den Böden der Münchner Schotterebene arbeiten muss und um den Spielemacher Alpen weiß, der sich klimatisch von Süden bemerkbar macht. Michael Spennesberger fasst es augenzwinkernd so zusammen: „Hier in der Nordheide ist das ganz anders, die Erde, das Wetter, die Landschaft. Und Berge gibt es gar keine. Man kann ziemlich weit schauen.“

Willkommen zurück.

Voraus schauen und planen, das kann die zukünftige dritte Generation in Oberweilbach. Und hat man die entscheidenden edaphischen und klimatischen Gegebenheiten erst einmal im Griff, werden die Unterschiede von Norden und Süden immer kleiner. Die obligatorischen Pflegemaßnahmen an den Bäumen und in der Kultur ähneln sich stark. Die Baumernte und der Direktvertrieb entsprechen natürlich in ihren internen Abläufen und ihrer Organisation der Größenordnung des Betriebs, das aber wird für Michael Spennesberger nur Theorie bleiben. Denn er reiste Mitte August wieder in die Heimat zurück, und da war es für Christbäume nun wirklich zu früh. Für Weihnachtsbäume aber auch.

Der die Zeitungsartikel der Serie verpasst hat, der findet hier die bisher erschienen Teile: erster Teil, zweiter Teil, dritter Teil, vierter Teil, fünfte Teil und der sechste Teil.